Entwicklung der Lech-Flusslandschaft von 1856 bis 2002

BearbeiterInnen:
Drexler Silke-Silvia
Verantwortlich für den Inhalt dieses Artikels:
DI Silke-Silvia Drexler [Institut für Hydrobiologie und Gewässermanagement]
Bearbeitungszeitraum: April 2005 bis September 2006
Beauftragt von: Diplomarbeit am Institut für Hydrobiologie und Gewässermanagement
Letzte Änderung: 02.01.2007

Der Lech - oftmals als einer der letzten Wildflüsse Europas bezeichnet - wurde mit Beginn des 20. Jahrhunderts stark reguliert. Die dadurch auftretende Sohleintiefung sowie der Verlust von Retentions- und Flusslandschaftsräumen waren Anlass für das EU Life-Natur Projekt „Wildflusslandschaft Tiroler Lech“ (2001 bis 2006). Durch die dabei durchgeführten Rückbaumaßnahmen sollte dem Fluss wiederum Raum gegeben und die weitere Eintiefung des Gewässerbettes gemindert werden.

Die Diplomarbeit „Entwicklung der Lech-Flusslandschaft von 1856 bis 2002“ beschäftigt sich im ersten Teil mit der Verbauungsgeschichte am Lech, beginnend mit den ersten schriftlich nachgewiesenen Schutzbauten bis zu den systematischen Regulierungsmaßnahmen im 20. Jahrhundert.
Im zweiten Teil der Arbeit wird durch kartographische Aufarbeitung sämtlicher erhobener Pläne, Luftbilder und Fotos die Entwicklung der Lech-Flusslandschaft von 1856 bis 2002 aufgezeigt.

Aus den Ergebnissen der Arbeit geht hervor, dass in den 1920er Jahren erste systematische Verbauungsmaßnahmen mittels Leitwerken, Traversen und Ufersicherungen am Lech getätigt wurden. Diese Maßnahmen wurden in vereinzelten Bereichen des Lech bis in die 1980er Jahre fortgesetzt.

Die Eingriffe in das Gewässersystem werden anhand der Analysen im zweiten Teil der Arbeit verdeutlicht. So dokumentiert der gewählte Referenzzustand von 1856 (Franziszeischer Kataster) ein oft großflächiges und weitverzweigtes Gewässersystem, das in einzelnen Untersuchungsabschnitten bereits ab dem Aufnahmezeitpunkt 1925 durch anthropogene Eingriffe verschwunden ist. Dies zeigt sich besonders am Lechabschnitt „Hornberg-Ehenbichl“ sowie an der „Vils“, einem bedeutenden Zubringer flussab Reutte. Wies der „active channel“ 1856 im Abschnitt „Hornberg-Ehenbichl“ noch einen Flächenanteil des Gesamtsystems von 71% auf, so waren es bereits 1925 nur mehr 12%. Im Untersuchungsbereich „Vils“ zeichnet sich ein ähnliches Bild ab. 1856 lag der Anteil des active channel bei 30%, 2002 waren es nur mehr 3%.

Diese Teilergebnisse verdeutlichen beispielhaft für einen einzelnen Untersuchungsparameter (Flächenrelation active channel – Gesamtsystem) die generelle Entwicklungstendenz, die im Rahmen dieser Arbeit für sechs Untersuchungsabschnitte anhand fünf weiterer Kenngrößen belegt wurde. So sind zwar auch heute noch am Lech naturnahe Flussstrecken mit hoher Umlagerungsdynamik vorhanden, dennoch ist für den Untersuchungszeitraum von 1856 bis 2002 ein hoher Rückgang gewässergeprägter aquatischer und terrestrischer Lebensräume zu dokumentieren.


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