Rekonstruktion ursprünglicher Lebensraumverhältnisse der Fluss- und Auenbiozönose der Donau im österreichischen Machland auf Basis der morphologischen Entwicklung von 1715 - 1991

BearbeiterInnen:
Severin Hohensinner, Mathias Jungwirth, Gregory Egger, Gertrud Haidvogl, Susanne Muhar, Sabine Preis, Stefan Schmutz
Verantwortlich für den Inhalt dieses Artikels:
DI Severin Hohensinner [Institut f. Hydrobiologie u. Gewässermanagement, Universität f. Bodenkultur Wien]
Bearbeitungszeitraum: Nov. 2001 - Okt. 2004
Beauftragt von: Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (FWF)
Letzte Änderung: 13.12.2006

Im Rahmen dieses Projektes werden die ursprünglichen Habitatverhältnisse der alluvialen Donau-Landschaft im oö./nö. Machland rekonstruiert.
Primäres Ziel dabei ist es, das Wissen über gewässerdynamische Prozesse und Prinzipien der hydrologischen Konnektivität des Fluss-Auensystemes zu vertiefen.
Zudem werden die natürlichen Situationen 1715-1821 mit jenen nach Regulierungen (1832-1925) und Kraftwerkserrichtungen (1991) verglichen. Durch die Untersuchungen von Flussmorphologie, Vegetations- und Fischökologie sowie Kulturlandnutzung soll das komplexe Wirkungsgefüge dieses Lebensraumes integrativ analysiert werden.
Da an der österreichischen Donau keine naturbelassenen Flussabschnitte mehr existieren, fehlen heute konkrete Informationen bezüglich der ursprünglichen Auenmorphologie und -ökologie weitgehend.
Das Projekt soll daher dazu beitragen, abiotische und biotische Parameter im Sinne gewässertypspezifischer Referenzverhältnisse für zukünftige Schutzkonzepte und Revitalisierungsmaßnahmen in alluvialen Abschnitten der österr. Donau zu definieren. Zudem sollen dadurch wertvolle Grundlagen für die Beurteilung der ?Ökologischen Funktionsfähigkeit? derartiger Lebensräume gewonnen werden.
Da über 100 historische Vermessungen der ehemaligen Flusslandschaft vorliegen, lassen sich speziell die natürlichen gewässerdynamischen Prozesse vor Beginn der Regulierung (1826) sowohl in kurzen Zeitintervallen von wenigen Jahren, als auch über längere Zeiträume von mehreren Jahrzehnten sehr detailliert analysieren. In einem ersten Schritt werden die ehemaligen flussmorphologischen Verhältnisse anhand historischer Quellen mittels CAD/GIS sowohl zwei- als auch dreidimensional rekonstruiert. Dabei soll neben Parametern des Grundrisses, des Querschnittes und des Längenschnittes auch Umlagerungsvolumina/-flächen sowie die Wasser-Land-Verzahnung ermittelt werden.
Auf Basis von Flächenanalysen erfolgt die qualitative und quantitative Modellierung der ursprünglichen Habitatsverhältnisse auf Mesohabitat-Niveau. Durch Auswertung historischer Geländehöhen werden Aussagen über Anbindungen, Vernetzung und Expansion/Kontraktion der Wasserfläche ermöglicht. Darauf aufbauend werden die ursprünglichen fischökologischen Verhältnisse (z.B. Artenvielfalt und Dominanz) auf generellem Niveau rekonstruiert.
Anhand der historischen Geländehöhen lassen sich zudem auch die ehemaligen Standortsbedingungen der Auenvegetation ableiten. Durch Analyse der Gewässerdynamik kann unter anderem auf Besiedelungspotential von Rohböden, Entwicklungsstadien und Sukzessionsreihen geschlossen werden.
Diese Parameter ermöglichen die Modellierung der räumlichen Verteilung der Pflanzengesellschaften mittels GIS. Untersuchungen zur Nutzung des Donauraumes als Kulturland sollen den Einfluss sozioökonomischer Faktoren auf das Fluss-Auensystem dokumentieren.

Ein kurzer Video-Spot, der den Wandel der Flusslandschaft im Machland im Laufe der letzten 300 Jahre dokumentiert, steht für Sie auf dieser Web-Site zum Download bereit (http://www.fliessgewaesser.at/spot.php).


http://www.boku.ac.at/hfa/