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Zum Zustand der Fließgewässer 
Fließgewässer zählen heute zu den am meisten gefährdeten Ökosystemen – eine weltweite Untersuchung von Dynesius & Nilsson (1994) belegt, dass 77% des gesamten Abflusses der 139 größten Fluss-Systeme in Nord-Amerika, Mexiko, Europa und den Staaten der ehemaligen Sowjetunion durch Stauwerke oder Stauwerksketten, aber auch durch Wasserableitung beeinträchtigt sind.

Damit wird gleichzeitig offenbar, dass zahlreiche Typen von Fluss-Ökosystemen verloren gegangen sind und deren Fischfauna isoliert und in ihren Beständen extrem dezimiert wurden.

Eine österreichweite Erhebung (Muhar et al., 1998) dokumentiert ein tendenziell ähnliches Bild: von den 52 großen Flüssen des Bundesgebietes mit einer Gesamtlänge von knapp 5.000 Flusskilometern sind – durch Regulierungen, Rückstau, Wasserausleitung, Schwellbetrieb und Speicherbewirtschaftung - fast 80% deutlich bis stark beeinträchtigt. Nur 6% (rund 280 km) zählen noch zu jenen Flussabschnitte, deren Morphologie (Gestalt), Dynamik sowie Umlandsituation dem natürlichen Zustand weitgehend entsprechen und die keine direkten Beeinflussungen des Abflussregimes durch Stau, Restwasser oder Schwall aufweisen („sehr guter Zustand“).

16% bzw. rd. 760 km der untersuchten Flussstrecken sind zwar nicht durch systematische flussbauliche oder energiewirtschaftliche Eingriffe in ihrem Gesamtcharakter verändert, weisen aber hinsichtlich Morphologie, Dynamik und/oder Umlandausprägung Veränderungen gegenüber dem ursprünglichen Flusstyp auf („guter Zustand“). Gemeinsam mit den bereits erwähnten nicht oder kaum beeinträchtigten Flussstrecken bilden diese Gewässerabschnitte jenes bedeutende Potential innerhalb des Gewässernetzes Österreichs, von dem u.a. die Wiederbesiedlung und Regeneration revitalisierter Flussstrecken ausgehen kann.


 
 
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Pro Tagliamento -
Pro Friuli

 
Der "König der Alpenflüsse" vor seinem Ende?
 
Der "Fiume Tagliamento" in Italien (Friaul-Julisch Venetien) ist die letzte ausgedehnte Wildflusslandschaft im gesamten Alpenraum, in der flussdynamische Prozesse noch grossräumig ablaufen. Zu Recht wird er als der "König" der Alpenflüsse bezeichnet, und er gilt als Referenzökosystem von europäischer Bedeutung. Sein 150 km2 grosser Korridor ist geprägt durch ausgedehnte Schotterflächen (50 km2) und die grosse Vielzahl an gehölztragenden Inseln (11 km2). Beide Landschaftselemente zählen europaweit zu den gefährdesten Lebensräumen.
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HFA -  Abteilung für Hydrobiologie, Fischereiwirtschaft und Aquakultur HFA - Abteilung für Hydrobiologie, Fischereiwirtschaft und Aquakultur

Tiroler Lech
Lech bei Forchach (Foto: Martina Kainz)

Leitha
Leitha flussauf Katzelsdorf (Foto: von Martina Kainz)

 

Bezieht man österreichweit auch Kleinflüsse und Bäche in die Betrachtung mit ein, so ergibt sich in Bezug auf die Fließgewässersituation ein tendenziell besseres Bild.

So zeigt eine Studie über das gesamte Einzugsgebiet der Traisen in Niederösterreich, dass von den insgesamt 527 Fluss- und Bachkilometern 36% noch weitgehend dem natürlichen Zustand entsprechen (sehr guter Zustand). Weitere 13,3% zeigen zwar keine systematischen flussbaulichen oder energiewirtschaftlichen Eingriffe, weisen jedoch Abweichungen hinsichtlich ihrer flussmorphologischen Merkmale auf (guter Zustand).

Dennoch sind auch hier 50% der Fließgewässerstrecken auf Grund anthropogener Beeinträchtigungen deutlich bis stark verändert.

 

Obere Traisen
Fahrabach/Türnitztraisen (Foto: Sabine Preis)

Traisen
Seebach bei Hohenberg/Obere Traisen (Foto: Sabine Preis)

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Über diese Seite | Site by ANET - New Media Solutions | letzte Änderung: 02.01.2007